Foto-Album einer Selbsthilfegruppe
„Zur freundlichen Erinnerung an seinen Aufenthalt in St. Pölten am 15. Juni 1927“ gestaltete die Ortsgruppe St. Pölten der Ersten österreichischen Krüppelarbeitsgemeinschaft dieses Fotoalbum für Otto Perl vom deutschen Selbsthilfebund der Körperbehinderten.
In der Arbeitsgemeinschaft organisierten sich Menschen mit körperlichen Behinderungen ab 1926 selbst. Sie forderten ein bundesweites Fürsorgesetz für Menschen mit Behinderungen sowie Arbeit, Bildung und bessere Wohnmöglichkeiten. Außerdem vernetzte sich die Arbeitsgruppe mit Menschen mit Behinderungen in ganz Europa, wie auch dieses Fotoalbum zeigt.
Ein Schwerpunkt des Albums liegt auf Fotos des Werkstättenheims in St. Pölten, der Nähstube, der Korbflechterei und einer Gewerbeausstellung in Herzogenburg. In der Zwischenkriegszeit lebten Menschen mit Behinderungen oft ohne Arbeit und in Armut. Um ihre Situation zu verbessern, gründete die Arbeitsgemeinschaft selbstorganisierte Werkstätten. Ihr Obmann Siegfried Braun sah diese Werkstätten aber selbstkritisch als „Tropfen auf heißem Stein“. Er forderte grundsätzlichere Veränderungen in der Gesellschaft.
Frauen waren in der Arbeitsgemeinschaft ebenso aktiv wie Männer. In der Nähstube konnten Frauen und in der Korbflechterei Männer nach drei Jahren eine Lehre abschließen. Die Arbeitsgemeinschaft in St. Pölten wurde von Frauen geleitet: Marie Zöchling gründete und leitete die Ortsgruppe sowie die Werkstätten, Ida Koci war Kassierin.
Touristische Ansichten aus St. Pölten und von der Mariazellerbahn schlossen das Album für den deutschen Gast ab.
Foto-Album
[Text in Leichter Sprache]
Jahr: 1929; Ort: St. Pölten, Beiträger*in: St. Pölten, Privatbesitz
Menschen mit Behinderungen gründeten
eine Selbsthilfe-Gruppe
im Jahr 1926.
Sie wollten:
Rechte für Menschen mit Behinderungen.
Sie wollten:
Arbeit, Bildung und gute Wohnungen.
Die Gruppe war in Kontakt mit Menschen mit Behinderungen
in ganz Europa.
Zum Beispiel:
Otto Perl besuchte die Gruppe in Sankt Pölten
im Jahr 1927.
Er war der Gründer einer Selbsthilfe-Gruppe in Deutschland.
Die Gruppe gab ihm das Foto-Album.
Damit er sich an Sankt Pölten erinnert.
Im Foto-Album sind viele Fotos.
Die Fotos zeigen die Gruppe in Sankt Pölten.
Zum Beispiel gibt es Fotos von Werk-Stätten.
Die Gruppe war gegen Werk-Stätten.
Aber viele Menschen mit Behinderungen waren damals sehr arm.
Sie hatten keine Arbeit.
Darum gründete die Gruppe selbst Werk-Stätten.
Aber die Gruppe sagte:
Werk-Stätten sind zu wenig.
Die Gesellschaft muss sich ändern.
Die Gruppe forderte Inklusion
schon vor 100 Jahren.
2 Frauen leiteten die Gruppe in Sankt Pölten:
Marie Zöchling und Ida Koci.