Gegen Gewalt in Heimen!
„In Hartheim wurden von 1938 bis 44 30.000 Menschen ermordet. In Hartheim werden 1983 250 Kinder bis aufs Blut geschlagen.“
Im Tonfall eines katholischen Gebets trug die Alternativgemeinschaft Körperbehinderter-Nichtbehinderter (AKN) und das 1. Wiener Krüppeltheater diese beiden Aussagen vor – bei Protestprozessionen durch die Wiener Innenstadt, an der Pädagogischen Hochschule in Wien und durch den Ort Alkoven in Oberösterreich, wo sich Hartheim befindet. Sie prangerten Gewalt an Kindern mit Behinderungen an und forderten, wie dieses Plakat zeigt, zu „Solidarität mit den Kindern des Instituts Hartheim“ auf. Das Institut Hartheim liegt direkt neben dem heutigen Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim, wo das Personal während der NS-Herrschaft Menschen mit Behinderungen ermordete.
Ehemalige Mitarbeiter*innen und Aktivist*innen machten in den 1980er Jahren in ganz Österreich auf Gewalt in Heimen für Kinder mit Behinderungen aufmerksam – zum Beispiel in Kainbach in der Steiermark, in Mils in Tirol oder eben in Hartheim in Oberösterreich. Kinder wurden geschlagen, in Gitterbetten gesperrt, mit Zwangsjacken gefesselt und auf andere Weisen misshandelt.
Der Pädagogikstudent Otto Anlanger kuratierte zum Abschluss seines Studiums eine Ausstellung zur Situation in Hartheim. Diese wurde an den Pädagogischen Akademien in Wien, Salzburg und Linz gezeigt. Die Polizei beschlagnahmte schließlich in Linz die gesamte Ausstellung sowie diese Solidaritätsplakate. Auch die Zeitschrift Profil, die über die Situation in Hartheim berichtete, wurde konfisziert.
[QR-Code zum Video: https://hdgoe.at/mitschreiben/selbst-bestimmt/1679]
Gegen Gewalt in Heimen!
[Text in Leichter Sprache]
Jahr: 1983; Ort: Alkoven, Schenker: Otto Anlanger
Im Jahr 1983 gab es einen Protest in Wien und in Hartheim.
Hartheim ist in Oberösterreich.
Menschen mit Behinderungen protestierten mit
Menschen ohne Behinderungen. Sie protestierten gegen Gewalt im Heim Hartheim. Dort lebten viele Kinder mit Behinderungen. Die Kinder erlebten viel Gewalt. Otto Anlanger machte eine Ausstellung über die Gewalt. Er zeigte Fotos von der Gewalt. Damit alle sehen, was passiert. Und damit alle sagen: Es darf keine Gewalt gegen die Kinder geben. Das Plakat ist auch von der Ausstellung.
Auf dem Plakat steht: Solidarität mit den Kindern des Instituts Hartheim.
Solidarität heißt: Menschen helfen anderen Menschen. Institut ist ein anderes Wort für Heim. Auf dem Plakat steht also: Wir helfen den Kindern im Heim Hartheim. Auch vor über 80 Jahren gab es in Hartheim schon Gewalt gegen Menschen mit Behinderungen. Nazis haben dort Menschen mit Behinderungen ermordet. Die Gruppe erinnerte auch an die Gewalt von den Nazis.