Integrations-Klassen
„Wir sind sehr gemischt und darum hat jeder viel zu erzählen.“
Das schrieb der siebenjährige Bernd, der eine Integrationsklasse besuchte. Gemeinsam mit den Zeichnungen von Kindergesichtern erschien sein Text in einem Tagungsbericht zu Integration in österreichischen Schulen von 1985.
Engagierte Eltern forderten in den 1980er Jahren schulische Integration für ihre Kinder. Aufgrund ihrer Bemühungen eröffnete im Herbst 1984 die erste Integrationsklasse Österreichs an der Volksschule Oberwart/Felsőőr/Erba (Burgenland) – trotz des Widerstands der Behörden, vieler Lehrer*innen und Eltern. Kinder mit und ohne Behinderungen lernten dort gemeinsam. In den folgenden Jahren wurden auch Integrationsklassen in der Steiermark, in Tirol und in Wien gefordert und umgesetzt. Einen rechtlichen Anspruch auf schulische Integration für Kinder mit Behinderungen gibt es in Volksschulen seit 1993 und in der Sekundarstufe seit 1997 – was in der Realität jedoch nicht immer eingelöst wird.
Kinder mit Behinderungen haben ein Recht auf inklusive Bildung – also ein Recht auf Teilhabe in der Gesellschaft und darauf, nicht durch Sonderschulen ausgegrenzt zu werden. Dieses Recht auf inklusive Bildung ist in der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verankert, die am österreichischen Nationalfeiertag 2008 in Kraft trat. Trotzdem steht Österreich weiterhin in Kritik, da die Inklusion in Regelschulen schlecht finanziert ist und bereits entwickelte Strukturen teilweise wieder zurückgenommen werden. Beispielsweise forderten 2025 Politiker*innen in Oberösterreich den Bau neuer Sonderschulen.
Integrations-Klasse
[Text in leichter Sprache]
Jahr: 1985; Ort: Bad Tatzmannsdorf/Tarcsafürdő/Tarča/Tartscha, Schenkerin: Brigitte Leimstättner
Bernd schreibt: Wir sind sehr gemischt und darum hat jeder viel zu erzählen. Bernd ist 7 Jahre alt. Er geht in eine Integrations-Klasse. Dort lernen Kinder mit Behinderungen und Kinder ohne Behinderungen gemeinsam. Die 1. Integrations-Klasse in Österreich gab es im Jahr 1984. Die Klasse war in Oberwart im Burgenland. Viele Menschen waren gegen die Klasse. Aber einige Eltern kämpften für die Klasse. Sie setzten sich durch. So konnten alle Kinder gemeinsam lernen. Heute sagt man dazu: Inklusion. Heute gibt es ein Recht auf Inklusion in der Schule. Alle Kinder sollen gemeinsam lernen. Kinder dürfen nicht ausgeschlossen werden. Trotzdem gibt es viele Probleme. Es gibt nicht genug Geld für Inklusion in der Schule. Und es gibt nicht genug gute Angebote. Manche Politiker*innen wollen sogar neue Sonder-Schulen bauen. Dort gehen nur Kinder mit Behinderungen hin. Sie werden ausgeschlossen.