"Gesund aus der Krise": Was Social Media mit der Psyche von jungen Menschen macht
Warum das geplante Social-Media-Verbot ein wichtiger erster Schritt ist und was Behandler:innen von "Gesund aus der Krise" aus der Praxis berichten
Angesichts des angekündigten Social-Media-Verbots für unter 14-Jährige rückt die Frage nach den psychischen Auswirkungen dieser Plattformen stärker in den Fokus. Bundesministerin Schumann sprach heute gemeinsam mit Ao. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger (Gesamtleitung "Gesund aus der Krise" und Präsidentin Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP)), Mag.a Barbara Haid MSc (Präsidentin Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP), Kooperationspartner "Gesund aus der Krise") und Priv. Doz. Mag. Dr. Oliver Scheibenbogen (Klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe, wissenschaftliche Leitung ORF/Dok1-Handyexperiment) über das Mental-Health-Projekt "Gesund aus der Krise".
Social-Media-Nutzung und psychische Gesundheit
Instagram, TikTok, Snapchat und Co. gehören für viele unserer Kinder und Jugendlichen zum Alltag. Oft sind ihnen die Gefahren der Sozialen Medien jedoch nicht bewusst oder sie wissen nicht, was sie bewirken. In den Praxen der Behandler:innen von "Gesund aus der Krise" zeigen sich die von Social Media verursachten oder verstärkten psychischen Probleme unserer Jugend.
"Die Auswirkungen von Social Media auf Kinder und Jugendliche sind heute im Alltag deutlich sichtbar. Sie betreffen das Gesundheitsverhalten, die psychische Gesundheit, die Selbstwahrnehmung und das Körperbild, das soziale Miteinander, die Beziehungsgestaltung junger Menschen. Viele Plattformen sind außerdem so gestaltet, dass sie die Nutzung gezielt verstärken und damit auch Suchtpotenziale entstehen können." – Bundesministerin Korinna Schumann
Eine Umfrage unter 324 Behandler:innen von "Gesund aus der Krise" unterstreicht, wie wichtig konkrete Regeln und ein neuer Umgang mit Social Media vor allem bei jungen Menschen wären. Selbstwert, das eigene Körperbild, Schlafstörungen, Nutzungsverhalten und soziale Unsicherheit sind dabei die Top fünf Probleme, die von den befragten Behandler:innen im Zusammenhang mit Social Media gesehen werden.
Die zwei Verbände hinter dem Mental-Health-Projekt, der Berufsverband der Österreichischen PsychologInnen (BÖP) und der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP), sprechen sich in ihrer Verantwortung für die mentale Gesundheit klar für das Social-Media-Verbot und begleitende Maßnahmen aus.
"Wir nehmen das sehr ernst und begegnen diesen Entwicklungen mit klaren politischen Maßnahmen. Mit dem geplanten Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige setzen wir einen wichtigen Schritt zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig stärken wir gezielt die Medien- und Gesundheitskompetenz, damit junge Menschen digitale Inhalte besser verstehen und einordnen können." – Bundesministerin Korinna Schumann
Verantwortung für alle
Viele Kinder und Jugendliche entwickeln zunehmend ein eingeschränktes Interessensfeld, das sich stark auf die Nutzung des Smartphones konzentriert, während Aktivitäten außerhalb digitaler Medien an Bedeutung verlieren. In der Praxis von "Gesund aus der Krise" beobachten 82 Prozent der Behandler:innen, dass Kinder und Jugendliche die digitale Nutzung nicht mehr selbstständig beenden können.
Die sogenannten "Commercial determinants of health" der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreiben den Einfluss wirtschaftlicher Akteure auf die Gesundheit von Menschen, indem Unternehmen durch Produktgestaltung, Algorithmen und Geschäftsmodelle Gesundheitsrisiken direkt oder indirekt mitprägen. Oft wird Eltern oder Kindern die alleinige Schuld gegeben, wenn sie "handysüchtig" werden. Das Konzept der kommerziellen Determinanten zeigt aber: Wenn das Produkt (die App) absichtlich so gebaut wurde, dass es süchtig macht, liegt die Verantwortung auch beim Hersteller, nicht nur beim Nutzer.
Es gibt Regeln und Verbote für viele schädliche, suchtfördernde Substanzen: Alkohol, Nikotin oder Drogen. Social Media kann genauso süchtig machen, nur ist es noch dazu ein "personalisiertes Suchtmittel": Jeder Algorithmus ist auf den User, die Userin persönlich abgestimmt. Ein verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Medien ist daher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die uns alle betrifft, nicht nur Eltern, Lehrer oder die Jugend. Der Schutz der psychischen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, der Aufbau von Medienkompetenz und die Stärkung demokratischer Grundwerte müssen gemeinsam gedacht werden.
Über "Gesund aus der Krise"
Das Mental-Health-Projekt "Gesund aus der Krise" half bereits mehr als 54.000 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch professionelle klinisch-psychologische, gesundheitspsychologische, psychotherapeutische und musiktherapeutische Behandlung. Das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz hat hierzu in der vierten Projektphase 35,15 Millionen Euro zur Verfügung gestellt und somit eine Finanzierung bis Juni 2027 sichergestellt. Abgewickelt wird "Gesund aus der Krise" vom Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) in enger Kooperation mit dem Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP). Seit Frühjahr 2024 ist der Österreichische Berufsverband für Musiktherapie (ÖBM) ein weiterer Umsetzungspartner.
Ein Behandler:innen-Pool von rund 1.500 Experten und Expertinnen in den Bereichen Klinische Psychologie, Gesundheitspsychologie, Psychotherapie und Musiktherapie, welche in Summe 27 Behandlungssprachen anbieten, ermöglicht die erfolgreiche Umsetzung. "Gesund aus der Krise" hilft nachweislich. Das hat die Universität Innsbruck (Institut für Psychologie) in ihrer Evaluierung bestätigt, bei der Daten von über 15.000 jungen Menschen über drei Jahre hinweg ausgewertet wurden.
Mehr Informationen
Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf unserer Website im Bereich "Gesundheit: Mediensucht" und auf der Website gesundausderkrise.at.
Mehr zum Thema erfahren Sie in der TV-Sendung "Das große Dok 1-Handyexperiment" (27. Mai 2026, 20:15 Uhr auf ORF 1 und zum Nachschauen auf ORF ON)
Fotos der Pressekonferenz finden Sie im Album "27.05.2026 – Gesund aus der Krise" auf Flickr.